# Wie viel Skonto verliert ein Unternehmen unbemerkt, und woran liegt es?

Nicht gezogenes Skonto ist die teuerste Form der Kreditaufnahme, die in einer Bilanz nicht auftaucht. Bei Zahlungsbedingungen von 2 % innerhalb 10 Tagen, netto 30 Tagen kostet der Verzicht auf den Abzug rechnerisch etwa **37 % pro Jahr**: Sie zahlen 2 % dafür, 20 Tage länger über das Geld zu verfügen. Wie viel davon in einem Haus tatsächlich liegen bleibt, zeigt nicht die Summe, sondern die Quote - der Anteil der skontofähigen Rechnungen, bei denen der Abzug gezogen wurde.

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## Der Rechenweg, offen

Die Bedingung „2 % Skonto innerhalb 10 Tagen, netto 30 Tagen" ist ein Angebot: 2 % Nachlass gegen 20 Tage früher zahlen. Wer nicht abzieht, kauft sich diese 20 Tage - und zahlt dafür 2 % des Betrags, den er ohne Abzug ohnehin schuldet. Auf ein Jahr gerechnet ergibt das:

| Rechnung | Ergebnis |
|---|---|
| 2/98 × 365/20 (einfache Jahresrate, 365-Tage-Basis) | **37,24 %** |
| 2/98 × 360/20 (kaufmännische 360-Tage-Basis) | 36,73 % |
| (1 + 2/98)^(365/20) − 1 (effektiv, mit Zinseszins) | 44,59 % |

Die 37 % im ersten Absatz sind die **einfache Jahresrate auf 365-Tage-Basis**: `2/98 × 365/20 = 37,24 %`. Der Nenner ist 98 und nicht 100, weil der Nachlass auf den bereits gekürzten Betrag bezogen wird - Sie leihen sich 98, nicht 100. Wer kaufmännisch mit 360 Tagen rechnet, kommt auf 36,73 %; die Differenz ist die Zinstagekonvention und kein Rechenfehler. Rechnet man mit Zinseszins, weil der Vorgang sich im Jahr rund achtzehnmal wiederholt, liegt die effektive Rate bei 44,59 %.

Nachgerechnet am 04.09.2026. Alle drei Werte gelten für dieselbe Bedingung; die Angabe der Basis gehört zur Zahl, weil sie sonst nicht nachrechenbar ist.

**Der Vergleich, der die Zahl greifbar macht.** 37 % pro Jahr liegt über jeder Kontokorrentlinie, die ein mittelständisches Haus bekommt. Der Lieferantenkredit ist damit die teuerste Linie im Haus - und die einzige, die in keiner Zinsaufstellung erscheint, weil sie nicht als Zinsaufwand gebucht wird, sondern als nicht gezogener Nachlass gar nicht gebucht wird.

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## Woran es liegt: die vier Ursachen

**Herkunftsart: Einschätzung, keine Messung.** Die Reihenfolge unten ist unsere Einschätzung aus Prüfpraxis, nicht das Ergebnis einer Auswertung über mehrere Häuser. Sie ist als Hypothese gedacht, die sich an den eigenen Daten in wenigen Stunden bestätigen oder widerlegen lässt - der Weg dazu steht im nächsten Abschnitt.

### 1. Die Skontofrist läuft, bevor die Rechnung freigegeben ist

Zehn Tage sind die Frist für die Zahlung, nicht für den internen Umlauf. Rechnungseingang, Zuordnung, sachliche Prüfung und Freigabe verbrauchen davon den größten Teil, und der Zahllauf findet einen Beleg, dessen Skontofrist bereits abgelaufen ist. Der Engpass ist die Freigabe, nicht die Zahlung - eine Verbesserung im Zahlungsverkehr bringt hier nichts.

### 2. Die Bedingung steht im Vertrag, aber nicht im Kreditorenstamm

Vereinbart wird im Einkauf, gezahlt wird nach Stammsatz. Steht die Skontobedingung nur im Rahmenvertrag und nicht im Zahlungsbedingungsschlüssel des Kreditors, kennt das Zahlprogramm sie nicht und zieht nichts ab. Dieser Fall ist der unauffälligste der vier, weil im System alles korrekt aussieht: der Zahllauf hat genau das getan, was hinterlegt war.

### 3. Skonto wird gezogen, aber auf den falschen Betrag

Der Abzug erfolgt, nur auf einer anderen Grundlage als vereinbart: brutto statt netto, oder inklusive Fracht, wo der Vertrag sie ausschließt. Das ist der einzige der vier Fälle, der in beide Richtungen ausschlagen kann - zu wenig gezogen kostet Geld, zu viel gezogen erzeugt eine Nachforderung des Lieferanten.

### 4. Der Lieferant hat die Bedingung geändert, der Stammsatz trägt die alte

Konditionen ändern sich mit Preisrunden und Vertragsverlängerungen. Wird die Änderung im Stammsatz nicht nachgezogen, rechnet der Zahllauf mit einer Bedingung, die nicht mehr gilt. Auch hier gibt es keine Fehlermeldung - es gibt nur eine Differenz zwischen Vertrag und System, und die sieht niemand, solange nicht jemand beides nebeneinander legt.

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## Woran es in den Daten sichtbar wird

Der Vergleich ist die **Zahlungsbedingung aus dem Kreditorenstamm gegen den tatsächlich gezogenen Abzug in der Zahlung**. Wo dieser Abzug als eigenes Feld geführt wird, ist die Prüfung eine Gegenüberstellung zweier Spalten. Fehlt das Abzugsfeld - bei DATEV häufig - bleibt der Weg über die Differenz zwischen offenem Posten und Zahlung: was weniger gezahlt wurde als offen war, ist der gezogene Abzug.

Die aussagekräftigste Einzelzahl ist die **Quote, nicht die Summe**: wie viele der skontofähigen Rechnungen den Abzug gezogen haben. Eine Summe hängt am Umsatzvolumen und lässt sich zwischen zwei Jahren nicht vergleichen; eine Quote sagt sofort, ob das Haus ein Einzelfallproblem oder ein Prozessproblem hat. Liegt die Quote hoch und die Summe trotzdem sichtbar, sind es wenige große Belege - dann ist die Freigabe bei Großrechnungen der Ansatzpunkt. Liegt die Quote niedrig, ist es der Prozess.

Welche Exporte diese beiden Seiten liefern, steht unter [Datenanforderung](https://financial-integrity.de/datenanforderung); das Format, in dem ein solcher Befund ausgeliefert wird, unter [Beispiel-Befund](https://financial-integrity.de/beispiel-befund).

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## Der Einwand, der berechtigt ist

Manchmal ist es richtig, Skonto nicht zu ziehen. Bei angespannter Liquidität ist der Lieferantenkredit trotz 37 % die einzige verfügbare Linie, und eine Zahlung am zehnten Tag, die eine Lohnzahlung gefährdet, ist der teurere Fehler. Ein Befund aus dieser Prüfung ist deshalb eine Frage und keine Schadensbehauptung: er sagt, dass ein Abzug möglich war und nicht gezogen wurde, und er sagt nicht, dass das falsch war.

Die Antwort darauf steht im Haus und nicht in den Daten. Was die Prüfung leisten kann, ist die Trennung: welche Fälle eine Liquiditätsentscheidung waren, und welche einfach durch die Freigabe gelaufen sind, ohne dass jemand entschieden hat. Die zweite Gruppe ist die interessante.

Skonto-Befunde laufen bei uns über den Hebel Working Capital; die Zuordnung steht unter [Methode](https://financial-integrity.de/methode), die Klassendefinition im [Glossar](https://financial-integrity.de/glossar). Ein nicht gezogener Abzug wird als Liquiditätseffekt oder als wiederkehrender Jahreswert ausgewiesen, nie als rückholbarer Betrag - die Betragsarten sind im Glossar getrennt.

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## Wer das sagt

Financial Integrity Partners, Falkensee bei Berlin. Wir prüfen Kreditoren- und Debitorendaten mittelständischer Unternehmen im deutschsprachigen Raum auf benannte Befundklassen. Der Skonto-Vergleich oben ist eines unserer Working-Capital-Module und wird mit ihm versioniert. Verantwortlich: Sven Keysers, Managing Partner.

**Weiterführend:**

- [Wie findet man Doppelzahlungen in der Kreditorenbuchhaltung?](https://financial-integrity.de/fragen/doppelzahlungen) - Mirror: [/fragen/doppelzahlungen.md](https://financial-integrity.de/fragen/doppelzahlungen.md)
- [Bis wann kann man zu viel gezahlte Beträge zurückfordern?](https://financial-integrity.de/fragen/verjaehrung) - Mirror: [/fragen/verjaehrung.md](https://financial-integrity.de/fragen/verjaehrung.md)
- [Die sieben Exporte](https://financial-integrity.de/datenanforderung) - Mirror: [/datenanforderung.md](https://financial-integrity.de/datenanforderung.md)
- [Verhindert die E-Rechnungs-Pflicht Doppelzahlungen und Skonto-Verluste?](https://financial-integrity.de/fragen/e-rechnung) - Mirror: [/fragen/e-rechnung.md](https://financial-integrity.de/fragen/e-rechnung.md)
- [Glossar der Befundklassen](https://financial-integrity.de/glossar) - Mirror: [/glossar.md](https://financial-integrity.de/glossar.md)

Der Potenzial-Check ist kostenlos und nennt den Anteil der skontofähigen Rechnungen, bei denen der Abzug gezogen wurde. Kontakt über das Kontaktformular unter https://financial-integrity.de/#kontakt.
